Genuss, Reisen

Warmduscher oder FKK-Bädeler?

«Los, spring,» schrieb der eine. Eine andere Kollegin meinte,  an der Nordsee zu weilen und nicht im Meer gewesen zu sein, sei undenkbar.

Ich mache Ferien in Sylt. Die deutsche Urlaubsinsel bietet eine Menge an Möglichkeiten, aktive, aber auch erholsame Ferientage zu verbringen. Im Watt wandern, Radfahren. Am Strand spazieren. Bücher lesen und schwimmen im Meer. Und sogar die Füdliblutt-Bädeler dürfen in mehreren Strandabschnitten im Adams- oder Eva-Kostüm in die Fluten stürzen und sich ein Sonnenbad genehmigen.

Die Schmerzgrenze beim Baden befindet sich bei Mann und Frau auf dem selben Level

Die Frage, die ich im Portal von Mark Zuckerhügel ins Netz stelle, erzeugt Echo. Die «Gefällt mir-Klicker fordern still, aber mit Nachdruck: Tu es. Doch meine Komfortzone in Sachen Wassertemperatur liegt aso schon etwas höher als 20 Grad. Warmduscher halt. Bei 25 Grad warmen Wasser oder mehr fühle ich mich wohl. Und wo die Schmerzgrenze auf dem Weg ins Wasser liegt, weiss jeder. Oder jede. Genau dort, wo die Badehose des Mannes oder das Bikinihöschen der Frau beim Gang ins Meer oder Bassin das erste Mal auf Wasser trifft.

Mit diesem Wissen im Hinterkopf stehe ich am besagten Morgen am Strand von Westerland. Die Sonne beleuchtet den Sandstrand, die Wellen rauschen in Richtung der Strandkörbe. Einige Spaziergänger und Jogger geniessen diese Morgenzeit, um Energie für den kommenden Tag zu tanken. Eine Frau hat sich ebenfalls am Strand auf ihrer Yoga-Matte installiert. Sie absolviert flüssig ihre Übungen. Den Sonnengruss, die Kobra und den herabschauenden Hund.

Ich habe mich mittlerweile meiner Trekkinghose und Shirt entledigt deponiere alles im leeren Strandkorb. Die Sonne wärmt mich, der Wind präsentiert sich nur als laues Lüftchen. In den Tagen danach wird sich dies ändern, weiss der Meteorologe des deutschen Fernsehens. So stehe ich am Wasser, die nächsten heranrauschenden Wellen entscheiden über den Erfolg meines Vorhabens. Selten stand ich um diese Zeit im Badeoutfit am Meer. Es gibt immer ein erstes Mal, denke ich. Und beschliesse, beim erfolgreichen Bad im Meer diese Tat von meiner «Bucket-Liste» zu streichen. Doch das Wasser ist schon etwas kühl, dünkt es mich. Und weshalb mache ich mir einen solchen Druck? Vielleicht liegt es auch an meiner Morgenmüdigkeit oder der Tatsache, nur einen Apfel als minimale Stärkung zu mir genommen zu haben. Denn In meiner Ferienbleibe darf ich mich jeden Morgen herzhaft verwöhnen mit Leckereien zum Frühstück. Herrlich.

Nun gut, das Zmorge muss noch warten. Ich laufe nun vorsichtig ins Wasser. Die heranrollende Welle spült den Sand unter meinen Füssen weg und sorgt bei mir für einen unsicheren Gang im Wasser. Seitwärts stehen hilft. Denn bald herrscht Niedrigwasser, das Meer zieht sich zurück. Eigentlich ist mir auch eher nach Rückzug, als weiter ins kalte Nass zu steigen. Das Meer weiss ja auch, wie es sich zurückziehen kann. Wieso soll ich mich also zwingen, denke ich und laufe langsam zu meinen temporären Ablageplatz am Strandkorb zurück. Mein Weg führt an der Yogapraktiziererin vorbei.

 

Guckt mal, eine Galakäsli im Wasser, lachen die Möwen lauthals

«Sie blasen zum Rückzug»? fragt sie mich, währenddessen sie ihre Yogamatte zusammenrollt. «Ja, meine Komfortzone in Bezug Wärme des Badewassers liegt deutlich höher, antworte ich ihr. «Aber hallo, Augen zu und durch, entgegnet sie, besser können Sie’s nicht haben!» Angekommen bei meinen Badesachen schlüpfe ich in meine Trekkinghose und ziehe das Shirt über den Bikini. Im Hinterkopf lacht der Teufel, der mir auf die Schulter klopft und sich sowieso nie ins kühle Nass stürzen würde. Währenddessen bemerke ich, wie die Yoga Lady sich ihrem Trainingsoutfit entledigt und splitternackt Richtung Meer eilt. Schnurtracks läuft sie ins Wasser und hechtet wie ein übermütiger Seehund in die Wellen. Zwei, drei Schwimmzüge lang dauert die Aktion und sie kehrt ans Ufer zurück. Glücklich. Zufrieden. Nun packt auch mich der Mut. Wieso nicht auch füdliblutt ins Wasser hüpfen? Was die Yogine macht, kann ich auch. Und ohne Bikini eliminiere ich die Schmerzgrenze der kalten, nassen Badehose. Und morgens um 7.00 Uhr kratzt es keine Menschenseele auf der Badeinsel, wenn eine Schweizerin im Galakäsli-Teint sich ins Salzwasser schmeisst. So mutiere ich für ein paar Minuten zum «Freikörper-Kultur-Bädeler». Und feiere ich gleich zwei Premieren: Ich kühlte mich für einen Moment in der 20 Grad kühlen Nordsee ab. Ohne Textilumhüllung. Die Wellen freuten sich über meinen Mut. Und fliegenden  Lebewesen vor Ort, die lachenden Möwen ebenso. Lauthals und euphorisch kurven sie im Flug über den Strand. Auch Ich wate zufrieden, happy und mit etwas Stolz aus dem Wasser. Wieder einmal knackte ich meine Grenzen. Ich schmiss mich als erfahrene Karibik-Badenixe vom 27 Grad Level in ein kühleres Gewässer im europäischen Raum. Yes, they can. Würde Barack Obama sagen.

 

 

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